Mein Wille zählt nicht mehr

Irgendwann treffe ich keine Entscheidungen mehr.
Nicht, weil ich es nicht könnte. Sondern weil man mich nicht mehr lässt.

Der Tag beginnt,
ohne dass ich gefragt werde.
Wann ich aufstehe.
Was ich anziehe.
Was ich esse.
Wann ich hinausgehe.

Alles ist geregelt.
Für mich.
Über mich.


Man sagt, es sei einfacher so.
Sicherer.
Besser organisiert.

Doch mit jeder Entscheidung,
die mir abgenommen wird,
wird etwas leiser in mir.

Ich lerne,
dass meine Meinung nicht mehr zählt.
Dass Wünsche stören.
Dass Fragen aufhalten.

Also höre ich auf zu fragen.


Nicht aus Einsicht.
Aus Erschöpfung.

Denn immer wieder erklären zu müssen,
dass man noch denkt,
noch fühlt,
noch weiß, was man will,
kostet Kraft.

Und diese Kraft fehlt irgendwann.

Ich bin da.
Aber ich gestalte nicht mehr.
Ich reagiere nur noch.


Ein Mensch ohne Entscheidungen
ist kein Mensch ohne Bedürfnisse.
Er ist ein Mensch ohne Raum.

Denn Selbstbestimmung ist kein Luxus.
Sie ist ein Teil von Würde.

Und wenn Entscheidungen verschwinden,
verschwindet auch ein Stück Leben.

Nicht plötzlich.
Aber jeden Tag ein wenig mehr.